Beistand in besonderen Lebenslagen

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Sunderhof und Rotenburg. Bereits zum neunten Mal fand in der Zeit vom 13. bis 15. März 2017 das Seminar „Überbringen einer Todesnachricht“ statt. Im Rahmen eines Lebenskundlichen Seminars der Evangelischen Militärseelsorge sollten die Teilnehmer ein Gespür dafür bekommen, was beim Überbringen einer Todesnachricht zu beachten ist und so erste Erfahrungen durch Rollenspiele sammeln.

Es ist eine der schwierigsten Aufgaben, die man sich vorstellen kann. Jeder wünscht sich, es möge ihn nie treffen. Gemeint ist das Überbringen der Nachricht an Angehörige, dass einer der ihren tot ist. Der unerwartete oder plötzliche Tod ist eine schwere Bürde für die Familienangehörigen, Freunde und Bekannte – daran zweifelt niemand. Weitgehend unbekannt, zumindest aber verdrängt, ist die Aufgabe des Überbringers dieser schrecklichen Nachricht. Dies ist belastender als man denkt und wirft vor allem die Frage auf: Wie bekomme ich diese furchtbare Nachricht so formuliert, dass sich der erste Schock etwas mildern lässt?

In einer ungezwungenen aber dennoch konzentrierten Atmosphäre konnten die Soldatinnen und Soldaten einen ersten Eindruck von dieser sehr fordernden Aufgabe bekommen und so erste Erfahrungen in den Rollenspielen sammeln. Zu Beginn waren die Erwartungen geteilt, da viele der Teilnehmer Hemmungen hatten, sich mit dem Thema vertraut zu machen.

Nach einer gemeinsamen Einleitung durch Militärpfarrer Thomas Bretz-Rieck und Truppenpsychologe Martin Zschiesche folgte ein sehr bildhafter und emotionaler Vortrag zum Thema „Überbringen einer Todesnachricht“ von Kriminalhauptkommissar a.D. Karl Meurs.

Mit Würde und Gefühl

In seinem Erfahrungsbericht stellte Meurs heraus, dass das Überbringen der Nachricht immer schlimm bleibt und daran auch der gelungene Gesprächsaufbau nichts ändern kann. Die Erfahrung hat ihn jedoch gelehrt, dass solche Gespräche für beide Seiten leichter werden, wenn die Überbringer auf ein gewisses Handwerkszeug zurückgreifen können. Dabei lautet der Grundsatz: Immer emotional ansprechbar bleiben und den Angehörigen einen sicheren Raum geben.

Im anschließenden praktischen Teil konnten die Seminarteilnehmer in verschiedenen Rollenspielen mit den Schauspielern Harald Kleinecke und Lena Thönnes einen ersten Eindruck von dieser sehr fordernden Aufgabe bekommen. „Schon als Zuschauer wurde man in den Rollenspielen mitgerissen und fühlte mit den Kameraden, die die Nachricht zu überbringen hatten“, so die Teilnehmer des Seminars.

Auch wenn hoffentlich keiner der Teilnehmer das erworbene Wissen jemals anwenden muss, so war es in erster Linie hilfreich, sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen und sich dafür zu sensibilisieren. Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EAS) e.V. unterstütze die Militärseelsorge bei der Durchführung des Seminars, indem sie nicht nur die Referenten, sondern auch die professionellen Schauspieler organisierte.