EAS stellt neues Betreuungsangebot ‚AUSZEIT‘ vor

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Berlin, 21. November 2017Der soldatische Alltag stellt die Bundeswehrangehörigen und ihre Familien vor große Herausforderungen. Vermehrte Einsatzverpflichtungen, Trennung von Heimat- und Dienstort und unsichere berufliche Zukunftsperspektiven wirken sich immer häufiger auf deren Seelenheil aus. Speziell für diese Zielgruppe hat die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EAS) das Betreuungsangebot ‚AUSZEIT‘ entwickelt, welches im Rahmen eines Podiumsgesprächs vorgestellt wurde.

Im Beisein zahlreicher Gäste aus Militärseelsorge, Politik, Bundeswehr, Wirtschaft und anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens hatte die EAS zu einem Podiumsgespräch unter dem Titel „Der Weg zum achtsamen Umgang mit sich selbst“ eingeladen. Nach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden der EAS Generaloberstabsarzt a.D. Dr. Ingo Patschke führte Oberstleutnant Holger Wilkens, Referent und Leiter Fachbereich Sicherheitspolitik im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, durch die Veranstaltung.

AUSZEIT – Entspannung, Achtsamkeit und Selbstfürsorge

Dr. Patschke, der als ehemaliger Inspekteur des Sanitätsdienstes aus eigenen Erfahrungen den Bundeswehralltag mit all seinen Belastungen und Auswirkungen auf die Familienangehörigen kennt, sprach darüber, wie sich im Laufe der letzten Jahre die Dienstanforderungen grundlegend verändert haben. Auf die Frage „Wie hilfreich für ihn in seiner Dienstzeit die Momente der Entspannung und Stabilisierung gewesen wären?“, antwortete Dr. Patschke, dass ihm diese Entspannungsübungen definitiv gut getan hätten. „Solch ein Projekt wäre vor zehn Jahren in der Bundeswehr noch nicht umsetzbar gewesen. Besonders in meiner Dienstzeit als Inspekteur war ich viel unterwegs und ich hätte mir gewünscht, damit im Auto auf dem Rücksitzt entspannen zu können.“ Als Leiter des Evangelischen Kirchenamtes für die Bundeswehr erzählte Militärgeneraldekan Matthias Heimer aus seinen eigenen Erfahrungen als Seelsorger in den Einsatzgebieten, wie wichtig es ist, sich im Einsatz eine Auszeit zu nehmen, was aufgrund der Unterbringungsmöglichkeiten oftmals besonders schwierig ist.

Der Beauftragte für einsatzbedingte posttraumatische Belastungsstörungen und Einsatztraumatisierte des Verteidigungsministeriums Generalarzt Dr. Bernd Christoph Mattiesen schilderte, dass die Anfragen der Soldaten früher mehr formal und rechtlich waren. Heute hingegen sind diese weitaus umfangreicher und großflächiger, da es vielmehr um die Sorgen und Nöte der Familienangehörigen geht. Auch Ministerialdirigent Wolfgang Müller, Leitender Beamter beim Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, betonte, dass die Anforderungen und Belastungen der Soldaten immer mehr werden, was sich an der zunehmenden Anzahl der Petitionen der Soldaten widerspiegelt. Stabsfeldwebel Stefan Hagel vom Logistikzentrum der Bundeswehr in Munster war bereits sechs Mal im Auslandseinsatz und sprach davon, wie wichtig es ist, sich einen Ausgleich zu schaffen. „Körper und Geist brauchen einen Ausgleich zu den Anforderungen im Beruf“, die er meistens durch sportliche Betätigung bewältigte. „Mit den Entspannungs- und Stabilisierungsübungen der EAS konnte ich mir eine Auszeit nehmen und mich von der Arbeit und Hektik des Tages richtig entspannen.“, so Hagel.

Momente der Entspannung und Regenerierung schaffen

Aus beruflich bedingtem Stress kann schnell eine Dauerbelastung werden. Im Rahmen der Familienarbeit, aber auch durch Angebote von ‚ASEM – Arbeitsfeld Seelsorge für unter Einsatzfolgen leidende Menschen‘ der Evangelischen Militärseelsorge wurde immer wieder festgestellt, wie unglaublich vielen Belastungen der unterschiedlichsten Art jeder Einzelne permanent ausgesetzt ist. Oft fehlt es an Stabilität und Sicherheit, da es sehr kurzfristig zu Wohnortwechsel aufgrund von neuen Verwendungen kommen kann und den damit notwendigen Intergrationsversuchen in dem jeweiligen sozialen Umfeld. Dazu kommen die emotionalen Belastungen durch den Auslandseinsatz, bei dem abermals ein Gefühl von Unsicherheit und Instabilität auftreten kann. Nicht immer fällt es leicht, all diese Situationen zu meistern. Vor diesem Hintergrund möchte die EAS mit ausgewählten Entspannungs- und Stabilisierungsübungen, die von pädagogischen Fachkräften entwickelt wurden, die Bundeswehrangehörigen samt Familien im Alltag begleiten und unterstützen. Mit Hilfe dieser Übungen soll es allen Hörern ermöglicht werden, dem Alltag einen Moment zu entfliehen, sich zu entspannen und neue Kraft zu schöpfen.

Zeitgemäße Mediennutzung

Um die Entspannungs- und Stabilisierungsübungen ‚AUSZEIT‘ allen Bundeswehrangehörigen auch im Einsatz und in der Heimat zur Verfügung zu stellen, hat die EAS eine Smartphone-App realisiert, die es ermöglicht, die Audioinhalte offline in digitaler Form zu genießen. Neben den Audioübungen werden in der App aktuelle Beiträge, Veranstaltungen und mittels der Funktion ‚In der Nähe‘ die lokalen EAS-Ansprechpartner, die nächstgelegenen Militärpfarrämter, Freizeit- und Betreuungsbüros, Familienbetreuungszentren und gastronomischen OASE-Betreuungseinrichtungen dargestellt, um den Nutzer so einen übersichtlichen Zugang zu möglichst vielen Betreuungsangeboten und Aktivitäten innerhalb der Bundeswehr zu ermöglichen. Die neue App der EAS wurde speziell für Bundeswehrangehörige und deren Familienmitglieder entwickelt und steht ab Dezember kostenfrei für alle iOS- und Android-Geräte in den jeweiligen App-Stores als Download bereit.

Musikalisch wurde die Vorstellung des neuen Betreuungsangebots von Sängerin Laura Luppino und Francesco am Keyboard begleitet. Passend zur Veranstaltung spielten die gebürtige Schweizerin und der gebürtige Italiener unter anderem Musikstücke wie ‚Easy‘ von The Commodores und ‚Relax‘ von Mika, die abschließend mit einem kleinen Empfang ausklang.