Mit Militär die Schwächsten schützen

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Berlin, 26. Mai 2017 – Verteidigungsministerin von der Leyen und Militärbischof Rink hielten in einem Gottesdienst zum 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag eine Dialogpredigt in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Die Ministerin rief dazu auf, die Schwächsten in den weltweiten Konflikten mit militärischen Mitteln zu schützen. Im Anschluss folgten rund 180 Gäste der Einladung zum gemeinsamen Sommerempfang der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr und der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung.

Verteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen hat in einem Gottesdienst zum Deutschen Evangelischen Kirchentag dazu aufgerufen, die Schwächsten in den weltweiten Konflikten mit militärischen Mitteln zu schützen, um damit Zeit für Versöhnung und Wiederaufbau zu schaffen. Als Bundesministerin der Verteidigung sei sie sich sehr bewusst, dass allein durch militärische Mittel kein Frieden geschaffen werden kann, aber militärische Hilfe könne Raum und Zeit schaffen, um mit Versöhnungsarbeit zu beginnen. Konkret bezog sich die Ministerin auf eine militärische Mission der Vereinten Nationen in der Zentralafrikanischen Republik 2014, in die auch die Bundeswehr einbezogen war. Ein evangelischer Bischof und der oberste Imam hätten sie um Unterstützung zur Beendigung des Bürgerkrieges gebeten.

Das Wort Jesu in den Seligpreisungen „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen“ bezog die vom Evangelischen Kirchentag eingeladene Predigerin auch auf aktuelle Konflikte und ihre Helfer: Vom Hungertod bedrohte Familien am Horn von Afrika, auf die bei der Flucht vor Gewalt und Verfolgung im Mittelmeer ertrunkene Menschen, auf mit Giftgas getötete Kinder in Syrien. Frieden stiften kann sich nicht mit dem Erdulden von Unrecht, Machtmissbrauch und Gewalt begnügen. Es fordert das mutige Eintreten für die Prinzipien, die uns eine lange Phase des Friedens (in Europa) geschenkt haben. „Wir haben die Freiheit der Verantwortung“, sagte von der Leyen.

Militärbischof Dr. Sigurd Rink sprach Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Trost und Friedenstiften aus der Bergpredigt an. Wenn die Bundeswehr sich aktuell mit der Vergangenheit beschäftige, so sei sie darin ein Spiegel der Gesellschaft. Auch die Evangelische Kirche sei wie viele andere in die Traditions- und Schuldgeschichte des sogenannten Dritten Reiches verstrickt gewesen. Das Motto des Kirchentags „Du siehst mich und erinnerst dich!“ dürfe vor diesem Hintergrund nicht als Drohung verstanden werden, sondern als Versprechen Gottes, der alle Menschen durchschaue. Verstanden und anerkannt könne der Mensch dann neue Schritte gehen. „Das Böse scheint mächtig – aber es ist von Gott schon besiegt“, sagte er zum jüngsten Anschlag im englischen Manchester. Von der Leyen ging auf das Trauern in Gesellschaft und Bundeswehr ein. Gedenkorte wie der „Wald der Erinnerung“ im Einsatzführungskommando in Potsdam seien dazu da, um an Schweres zu erinnern und zu gemahnen.

Friedensaktivisten störten den Gottesdienst, indem sie laut in die Feier hineinschrien. Zwei Frauen unter ihnen hatten sich von der Empore abgeseilt, und versuchten immer wieder – in der Luft hängend – den Fortgang zu hindern. Die Verteidigungsministerin gestattete an den Altar vorgedrungenen protestierenden Frauen, ein Transparent in die Höhe zu halten. Als die Ministerin das Wort Toleranz gebrauchte, brach im Kirchenschiff spontaner Beifall gegen die Störer aus. Immer wieder konnte durch lautes Singen des Wechselgesanges „Gloria nobis pacem“ und von Liedern wie „Steh‘ auf, werde Licht“ Ruhe hergestellt werden. Die versammelte Gemeinde, darunter zahlreiche Angehörige der Bundeswehr, gedachte in einer Schweigeminute der auf der Flucht in den vergangenen Monaten zu Tode gekommenen Menschen weltweit.

Nach dem turbulenten Bittgottesdienst für den Frieden in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gab die Evangelische Militärseelsorge in ihrem Haus einen Empfang: In Vertretung der Verteidigungsministerin sprach der Parlamentarische Staatssekretär Markus Grübel: „Dieser Gottesdienst wird mir in guter Erinnerung bleiben“, lobte er die Feier und fuhr fort: „Das wir in Deutschland mit solchen Störungen umgehen können ist ein gutes Zeichen für die Demokratie. „Es sei eine große Spannung, die es in der Militärseelsorge auszuhalten gelte, dass Frieden manchmal auch erzwungen werden müsse. „Ich danke Ihnen allen für die Solidarität“, sagte er zu den zahlreichen Besuchern, darunter die Leiterin der Abteilung Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen im Bundesministerium der Verteidigung Alice Greyer-Wieninger, der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union Prälat Dr. Martin Dutzmann und die Schirmherrin der Familienbetreuungsorganisation der Bundeswehr Martina de Maizière. Auch internationale Gäste aus Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, Ungarn und den USA wohnten der Veranstaltung bei. Der Evangelische Militärbischof Dr. Sigurd Rink, Militärgeneraldekan Matthias Heimer und der Geschäftsführer der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EAS), Rolf Hartmann, dankten für die Vorbereitung und Durchführung von Gottesdienst und Empfang. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Evangelischen Kirchenamtes für die Bundeswehr (EKA) und des Handlungsbereiches Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr (HESB) und der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EAS) hatten über Wochen das Zusammentreffen auf dem Kirchentag vorbereitet.