Mit Papa einfach mal eine Woche weg

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„Eine Woche einfach mal raus und gemeinsam die Sonne und den Wind genießen – dem soldatischen Alltag entrinnen, gemeinsam Segeln, gemeinsam Zeit verbringen und gemeinsam die Seele baumeln lassen“, so lautete das Angebot der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EAS) und des Evangelischen Militärpfarramt Osterholz-Scharmbeck zu einer Vater-Sohn-Segelfreizeit. Begleitet von Regionalreferent West Dieter Hollinde und dem Evangelischen Militärpfarrer Jens Pröve ging es vom 01. bis 06. Juli für 12 Väter und ihre 13 Söhne von Garlstedt aus nach Holland, um auf dem Zweimastklipper „Eensgezindheid“ viele tolle Erlebnisse, Eindrücke und Spaß auf dem Ijsselmeer zu erleben. „Nachdem ich von November 2017 bis Februar 2018 im Einsatz war, konnte ich meinem Sohn eine Woche gemeinsame Zeit mit seinem Vater schenken. Für mich persönlich war diese Segelwoche – zumal ein Teil der Familie mitkonnte – wertvoller als jede Kur nach einem Einsatz. Dies liegt auch daran, dass ich meinen Sohn lange nicht so ausgelassen erlebt habe und er nach der Reise deutlich an Selbstbewusstsein zugenommen hat.“, so die Rückmeldung eines teilnehmenden Vaters.

Alle Erlebnisse dieser ereignisreichen Woche haben die Teilnehmer in einem Logbuch zusammengefasst:

Segelfreizeit auf dem Ijsselmeer – Logbuch der Eensgezindheid

Tag 1 in See:

Nach einer für die meisten angenehmen Nacht, begann der Tag für unseren tollen Koch Frank bereits um 6:30 Uhr. Der Rest schälte sich zwischen 8:00 und 8:30 aus den Kojen und wurde von einem umfangreichen leckeren Frühstück auf den kommenden Tag vorbereitet. Nach dem anschließenden Einkauf des notwendigen Reiseproviants ging beim Beladen des Schiffes der erste Mann zwar nicht über Bord, aber über die Kaimauer. Der Schreck saß allen Tief in den Knochen, aber zum Glück konnte Leichtmatrose Lewe umgehend unverletzt geborgen werden. Hoffentlich war dies die einzige ungewollte Wasserberührung der Crew!

Len führte uns dann in die Grundlagen des Segelns ein und schon ging es ans Werk. Um 10:30 Uhr hieß es dann: „Leinen Los!“ und die Eensgezindheid stach mit ihrer frischgebackenen Crew in See. Doch halt, noch bevor die letzte Leine gelöst wurde, winkte uns ein sichtlich verwunderter Reiseleiter vom Steg zu. Er wollte wohl auch noch mit, also wurde die Abfahrt nochmal kurz verzögert und Dieter kam noch mit an Bord. Die ersten Segelmanöver liefen anschließend reibungslos und es schien, als hätte niemand jemals etwas anderes gemacht als Segel zu setzen, Schots zu reffen und Leinen zusammenzulegen.

Bei bestem Wetter und Windstärke 3 bis 5 aus Nordost waren wir nicht nur das schönste, sondern auch das schnellste Schiff mit der natürlich besten Crew auf dem Ijsselmeer und hielten Kurs auf die Schleuse zur Nordsee. Die Schleuse sollte schnell erreicht werden und so wurden die Segel erst kurz vor der Einfahrt in Rekordzeit niedergeholt und dann zusammengelegt. So fuhren wir gegen 14:00 Uhr in die Schleuse ein, überwanden einen guten Meter Höhenunterschied zur Nordsee und behinderten nach der Ausfahrt den Autoverkehr auf dem Außendeich, weil dieser vor der für uns geöffneten Drehbrücke warten musste.

Nach gut zwei Stunden auf der Nordsee erreichten wir mit den wieder gehissten Segeln die Tonne ZR27. Dort ließ unser Skipper Peter den Anker fallen und so fiel das Schiff bei einsetzender Ebbe trocken, wo wir einen schönen Spaziergang auf dem „Meeresboden“ machten. Nach dem passenden Abendessen, es gab natürlich lecker Fisch, konnten wir das außergewöhnliche Gruppenfoto vor unserem Schiff schießen. Vor der Abfahrt ging Bootsmann Len mit einigen Kindern noch mit dem Schleppnetz auf Beutezug. Dabei fanden sich die tollsten Sachen im Netz. Nachdem wir wieder Wasser unter dem platten Kiel hatten, ging spät am Abend die Fahrt mit dem Motor nach Harlingen, wo wir eine ruhige Nacht im Hafen verbrachten.

Tag 2 in See:

Nachdem sich einer der Leichtmatrosen zur Deckswache eingeteilt hatte, konnte die restliche Besatzung ruhig und friedlich in ihren Kojen schlafen. Am Morgen stellten wir dann fest, dass die Wache fest und tief in ihrem Schlafsack schlummerte. Daher konnte sich dem Schiff auf circa 40 Meter, zunächst unentdeckt, ein Wal von Backbord nähern. Selbst sein Wasserstrahl konnte die Wache nicht aus ihrem Schlaf reißen. Nach dem zweiten, leckeren, durch den Smutje und seinen Helfern vorbereiteten Frühstück, machten sich Teile der Besatzung zunächst auf den Weg zum Proviant bunkern. Nachdem nun die Besatzung gestärkt, die Kombüse gereinigt, die wertvollen Kaltgetränke gebunkert wurden, wurde die Persenning von den Segeln entfernt und gegen 10 Uhr legte die Eensgezindheid ab und steuerte der schönen, sonnenverwöhnten Insel Vlieland entgegen.

Schon während der Hafenausfahrt wurde das Besansegel in den Wind gebracht. Die Leichtmatrosen wussten jetzt sofort was Len von ihnen wollte. Die Handgriffe saßen und sehr schnell wurde das erste Schiff, welches vor uns den Hafen verlassen hatte, hinter der Eensgezindheid gelassen. Nachdem sich nun die Stammcrew der Eensgezindheid der Fähigkeiten ihrer Leichtmatrosen versichert hatte, begann die nächste Herausforderung: die Wende. Zunächst ohne Klüver, später dann mit, haben wir ein Schiff nach dem anderen hinter uns gelassen. Nach circa vier Stunden Segeln „hart am Wind“ wurden nach und nach wieder alle Segel eingeholt und verstaut. Wir waren nicht nur die gefühlten Regattasieger, sondern nach Bestätigung durch den Hafenmeister durften wir als vorletztes Schiff die Hafeneinfahrt passieren. Alle nachfolgen Schiffe mussten vor dem sicheren Hafen auf Reede gehen. Die letzten Meter in den Hafen bewältigte Skipper Peter dann mit Motorkraft. Die Grundaufgabe „Anlegen in Längsaufstellung“ meisterte er natürlich mit Bravur. Nachdem die Persenning wieder die Segel schützte, bekam die Crew Landurlaub.

Während einige zunächst die „Eingeborenen“ aufsuchten, um mit ihnen Handel zu betreiben, genossen die anderen einen entspannten Nachmittag am sonnigen Strand, der in Form von Sand den Weg auf die Eensgezindheid in so manchen Kajüten fand. Gegen 19 Uhr war in der Kombüse wieder reges Treiben, um gegen 20 Uhr die hungrigen Mäuler zu versorgen. Nach einem opulenten Essen wurde durch die Reiseleitung der gestrige Tag anhand des Logbuches nochmal Revue passieren gelassen. Abgerundet wurde der Abend durch ein gemeinsames Public Viewing auf dem Achterdeck des Schiffs, wo auf einem wahnsinnigen 5 Zoll Monitor das aus englischer Sicht historische Elfmeterschießen zwischen England und Kolumbien unter großer Anteilnahme verfolgt wurde.

Tag 3 in See:

Nach einer ruhigen Nacht im Hafen von Oost-Vlieland mussten erst einmal die wichtigsten Vorräte wieder aufgefüllt werden. Vor allem, aber nicht nur, für die Kinder wurde die Slush-Maschine angeworfen. „Smaak van de dag“ ist heute Maracuja. Hierzu später mehr. Nach einem ausgiebigen Frühstück, diesmal mit Rührei und Speck, legten wir als eines der ersten Schiffe von Vlieland ab. Zügig passierten wir die extrem enge Hafenausfahrt und fuhren zuerst nach Norden. An Bord stellte sich ein ganz neues Gefühl ein, denn der Himmel war bedeckt und der Wind in der Nacht eingeschlafen. Nachdem die Segel wieder gesetzt waren und der Kurs anlag, wunderten sich alle, dass wir gefühlt fast stehen blieben. Achterlicher Wind und davon nur sehr wenig, ließ uns mit gemütlichen drei Knoten Fahrt um die Sandbank nach Süden abdrehen. Während die meisten Schiffe nur noch tuckernd ohne Segel fuhren, genossen wir mit Seehund und Schweinswalbegleitung einen weiteren Seetag unter Segeln.

Als Herausforderung stand Knotenkunde mit Jens auf dem Programm. Dass daraus Spießschnüre wurden, war aber nicht geplant. Des Weiteren mussten einige Matrosen feststellen, dass Wellen von vorbeifahrenden Schiffen dazu führten, dass sich die Gesichtsfarbe unter Deck sehr schnell von gebräunt auf kreideweiß ändern kann. Nach dem kleinen Mittagessen, diesmal Frikadelle, Käse, Salami und etwas Obst, wurde das letzte aus Eensgezindheid herausgeholt. Das Schiff bekam ein fünftes Segel, den sogenannten Helm und ließ erneut alle anderen Traditionssegler weit hinter sich. Diesmal passierten wir ZR27 (unsere Boje vom Trockenfallen am ersten Segeltag) mit ausreichend Wasser unter dem Kiel.

Unter Deck tat sich auch einiges. So beispielsweise der schnellste Treppenabgang des Tages von Mark, der Gott sei Dank ohne Folgen blieb. Der geistige Beistand an Bord reichte aus und die herbeieilenden „Notärzte“ brauchten nur väterlichen Trost zu spenden. Pünktlich, wie von Peter vorhergesagt, erreichten wir wieder die Schleuse Kornwerderzand. Hier bestand Bootsmann Len seine Steuermannsprüfung und brachte uns sicher durch die Drehbrücken in die Schleuse.

Längsseits wollte ein zweites Schiff gehen. Die Besatzung der „Mars“, die 9. Klasse einer Mädchenschule auf Abschlussfahrt, hatte da weniger Glück. Erst im zweiten Anlauf gelang es ihnen neben uns festzumachen. Kaum hatten die „Mars-Mädchen“ dieses geschafft, wurde durch die Besatzung der Eensgezindheid das Entern vorbereitet. Die eingesetzten Piraten schlugen die Decksbesatzung der „Mars“ mit zwei Wasserpistolen in die Flucht. Dabei war beim Gegner ein Opfer zu beklagen. Ein eingestoßener Kopf beim Versuch durch einen Sprint unter Deck in Sicherheit zu gelangen wurde beobachtet. Wie edle Seeleute leisteten wir erste Hilfe und ein Cool-Pack wurde übergeben. Damit nicht genug. Unsere Piraten erwiesen sich als wahre Edelmänner und versorgten die ausgehungerte gegnerische Besatzung mit dem Wichtigsten:  Slush-Eis für alle! Wir hatten uns damit nicht nur als großzügige Sieger gezeigt, sondern auch den heute sehr unbeliebten Maracuja-Geschmack von Bord entsorgt. Zur Belohnung wurde nach der Schleuse erst einmal geankert und die erhitzten Gemüter mit einem kühnen Sprung in das erfrischende Nass abgekühlt. Hier wurde nun auch vom Oberpiraten Lukas der Spruch des Tages auf die Frage: Warum das Wasser so kalt sei (gemessene 20 Grad Celsius), getätigt: „Weil das hier das Ijsselmeer ist!“ Zum Abschluss liefen wir in Makkum ein, wo nach routiniertem Anlegen die Zuschauer mit den Resten des einfachen Proviants zufriedengestellt wurden. Den Enten und Gänsen schmeckte unser Brot. Wir konnten uns dafür wieder mit einem herrlichen Abendessen (Hähnchenschnitzel mit Balkangemüse, Rösti und Gemüse sowie rot-grünem Piratenwackelpudding) standesgemäß belohnen.

Ein Abendspaziergang durch den malerischen Ortskern sowie die obligatorische Gute-Nacht-Geschichte für den Piratennachwuchs beendeten den schönen dritten Tag auf See. Nur die unentwegten Alt-Piraten hatten noch so einiges Seemannsgarn bei einem leckeren niederländischen Getränk gesponnen.

Tag 4 in See:

Der vierte Tag begann ganz im Zeichen des Wassers. Bereits um 5 Uhr morgens suchte der Matrose Marc eine trockene Stelle auf dem Deck, um das Bettlacken und die Matratze von seinem Sohn Lukas zu trocknen, da es eine kleine Windel-Überschwemmung gab. Das Wasserelement verfolgte uns weiter, so gab es zum Frühstück einen Impuls zum Thema Wasser – und seine Kostbarkeit in der Wüste – und der liebe Jens ließ im Anschluss die ganze Mannschaft eine kleine Übungsrunde mit Kniebeugen absolvieren, sodass die ganze Segelmannschaft von nun an wach war.

Auch das Wetter war ganz im Zeichen des Wassers, so gab es passend zum letzten Tag auf See auch einige Tränen vom Himmel – wer hatte da gestern nicht aufgegessen? Oder weinten die Meerjungfrauen bereits Abschiedstränen? Also packten wir den Friesennerz aus und hissten die Segel gen Enkhuizen. Kaum hatten wir abgelegt erschallte aus Kajüte 4 der nächste Notruf – Leichtmatrose Lukas hatte Wasser im Schiff entdeckt – als sprudelnder Quell diente hier der soeben eigenhändig abmontierte Wasserhahn seines Waschbeckens. Der talentfreie Papa fand so schnell auch keinen Rat wie H2O-Nachschub folgte und schickte eiligst einen Melder zu Fuß gen Skipper. Den Rest der Fahrt steuerte Lehrlingsskipper Bennet zielsicher Richtung Starthafen. Nur ein plötzlich am Horizont auftauchendes schwarzes Segel versetzte die Kindercrew in helle Aufregung, so dass man sich eiligst mit sämtlich verfügbaren Wasserpistolen bewaffnete und den Enterversuch über die Backbordseite gekonnt abwehrte. Zum Glück war es keine Rache der „Marsianerinnen“. Die Abkühlung erfolgte sodann mit wasserblauem, schlumpfblauem, wasserfestem Slushy. Bevor aber das Wasser im Mund für die anstehende Grillparty zusammen laufen konnte, überraschte Bootsmann Len uns noch mit einer Schaumparty an Deck. Unter dem Motto: „Schrubber frei und Schotten dicht“ erfolgte das Deckschrubben mit glasklarem Ijsselmeerwasser.

Gegen 15 Uhr war schließlich der letzte Törn vorbei und wir erreichten den Hafen. Die Mannschaft zerstreute sich in alle Windrichtungen, um Erkundungen in den Gassen und Straats durchzuführen. Dabei wurde was die Wasserkanonenreichweite betrifft fleißig weiter aufgerüstet. Auf der Suche nach dem verlorenen Tansania-Cape ging dann auch noch der allseits beliebte quietschgelbe Emoji-Ball über die Reling. Wir wünschen gute Reise!

Den perfekten Ausklang des gelungenen Tages bildete das gemeinsame Grillen mit Sonnenuntergang.

Bedankt voor alles, tot volgend jaar!

Geschrieben von der Teilnehmern der Vater-Sohn-Segelfreizeit 2018