Reformationsjubiläum: „Friedenscamp für Soldaten in Wittenberg“

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Lutherstadt Wittenberg. Im Rahmen der Themenwoche „Frieden“ auf der Weltausstellung Reformation 2017 fand in der vergangenen Woche ein Friedenscamp für Soldatinnen und Soldaten aus allen Teilstreitkräften in Wittenberg statt. Unter dem Titel „Wege des Friedens – Wege der Versöhnung. Friedensethische Impulse aus 500 Jahren Reformationsgeschichte“ veranstaltete die Evangelische Militärseelsorge ein dreitägiges Lebenskundliches Seminar, an dem sich rund 60 Bundeswehrangehörige aus unterschiedlichen Standorten im ganzen Bundesgebiet weiterbildeten. Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EAS) unterstützte nicht nur bei der gastronomischen Verpflegung, sondern sorgte mit dem Sänger und Gitarristen Sascha Kempin für einen stimmungsvollen ersten Abend.

„Nun denn, seid ihr jene, welche so schön sangen?“ fragt das historische Waschweib die jungen Leute in Uniform. Das können sie fröhlich bestätigen. So viele Soldatinnen und Soldaten haben sich zur nächtlichen Stadtführung durch Wittenberg eingefunden, dass sie in zwei Gruppen unterwegs sind. Einer von beiden vermittelt „Waschweib Marie“ mit historischen Informationen und handfesten Späßen ein Gefühl vom Leben im frühneuzeitlichen Wittenberg zur Zeit Martin Luthers. Unauffällig steht das Zeltlager der Bundeswehr auf einem Sportgelände am Rand der Altstadt, aber die Musik von dort ist bis auf den Marktplatz zu hören.

Die Angehörigen unterschiedlicher Teilstreitkräfte und aus unterschiedlichen Standorten im ganzen Bundesgebiet sind aber nicht nur zum Singen und Besichtigen an die Elbe gekommen. Sondern sie wollen die Themenwoche „Frieden“ der Weltausstellung Reformation 2017 erleben und sich in einem Lebenskundlichen Seminar zu Fragen der Friedensethik weiterbilden. Schon auf der Anreise waren Frieden und Versöhnung Themen. In zwei Gruppen sind die Teilnehmer von Magdeburg oder Dresden in Schlauchbooten auf dem Fluss angereist und haben sich erst im Hafen von Wittenberg getroffen.

Der Arbeitstag steht im Zeichen der evangelischen Friedensethik, wie sie von Martin Luther wesentlich geprägt wurde. „Wie kann ich verhindern, dass ich als Soldat zum Mörder werde?“ fragt Prof. Dr. Volker Stümke in seinem Grundsatzreferat und erläutert anschaulich Luthers Lehren. Das christliche Gewissen wird zur entscheidenden Instanz. Aber Stümke belässt die Verantwortung nicht nur beim Einzelnen, sondern fragt auch: „Und was kann die Bundeswehr tun, damit ihre Soldatinnen und Soldaten nicht zu Mörderinnen oder Mördern werden?“ Anschließend führt Militärbischof Dr. Sigurd Rink in die Geschichte der christlichen Friedensethik ein. Was erst so abstrakt klingt, wird für die Angehörigen der verschiedenen Dienstgradgruppen und Altersstufen plötzlich sehr anschaulich und in den Arbeitsgruppen kommt man schnell von den „großen“ politischen Fragen auf das eigene Leben und die eigene Verantwortung.

Am Nachmittag geht Wittenberg im Regen unter. Das ist besonders schade, weil diese Zeit vorgesehen war, um auf eigene Faust die Weltausstellung in den Wallanlagen der Stadt zu erkunden. Von Mai bis September wird hier an die Reformation vor 500 Jahren erinnert. In verschiedenen Themenwochen werden Schwerpunkte gesetzt; im Augenblick ist es der Frieden. Landeskirchen, Friedensgruppen und die Ausrichter der Ausstellung haben eine Menge Programmpunkte vorbereitet, nur leider sind viele davon abgesagt oder fallen spontan aus. Terminkollisionen, mangelnde Teilnahme oder organisatorische Schwierigkeiten: Nicht nur wegen des Regens fallen viele Programme buchstäblich ins Wasser.

Das trübt die Stimmung im Zeltlager nicht wirklich. Für den Abend sind Vertreter der evangelischen Friedensarbeit eingeladen, um Soldatinnen und Soldaten zu begegnen und sich gegenseitig kennenzulernen. Die Idee geht auf; an den meisten Tischen im großen Versammlungszelt bilden sich gemischte Gruppen und es entstehen lebhafte Gespräche. Später werden die Gitarren herausgeholt. Es regnet immer noch. Waschweib Marie ist heute Abend nicht unterwegs, die Innenstadt ist menschenleer. Aber den Gesang hört man wieder bis zum Markt.