Vortrag zum Thema „Der Nahe Osten“

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Faßberg. Der Nahe Osten war am 8. September Thema eines Vortrags für 200 Soldaten, die derzeit eine Ausbildung an der Fachschule der Luftwaffe in Faßberg absolvieren und im großen Saal der OASE „Haus Schlichternheide“ zu Gast waren.
Bereits zum achten Mal unterstützte die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e.V. (EAS) die Fachschule der Luftwaffe am Standort Faßberg bei der Ausbildung der Soldaten.

In diesem Jahr konnte erneut Frau Dr. Sylke Tempel als Rednerin in Faßberg begrüßt werden. Frau Dr. Tempel wurde 1963 in Bayreuth geboren und hat in München Politische Wissenschaften und Judaistik studiert. Sie promovierte an der Universität der Bundeswehr in München. Im Anschluss war sie viele Jahre für verschiedene Medien als Nahostkorrespondentin in Israel tätig. Seit 2008 ist Sie Chefredakteurin der Zeitschrift „Internationale Politik“

Frau Dr. Tempel begann Ihren Vortrag mit einem kleinen Exkurs zur Rede des Bundespräsidenten bei der letzten Münchner Sicherheitskonferenz, in der Joachim Gauck den Begriff der Verantwortung für Deutschland und seine Außenpolitik sehr weit fasste und mit diesen Worten für viel Aufsehen gesorgt hat. Teile dieser Rede sind mittlerweile im neuen Weißbuch der Bundesregierung zu finden.

In der Folge wurde ein Überblick zu der Situation der einzelnen Staaten im Nahen Osten gegeben, der bis auf die Nordafrikanischen Staaten ausgeweitet wurde, da diese Staaten allesamt das Sicherheitsgefüge Europas betreffen. Von Libyen, das an der Grenze des Staatszerfalls steht, bis zum scheinbar stabilen Saudi-Arabien reichten ihre Ausführungen.
Bei allen Problemen, die in den Staaten rund um das Mittelmeer zu finden sind, ist es aus Sicht Tempels wichtig, dass den Staaten des Nahen Ostens auch in Zukunft eine von Einigkeit geprägte Europäische Union gegenübersteht.

In der anschließenden Fragerunde war dann vor allem die Türkei und ihr Staatspräsident Erdogan ein Thema. Dr. Tempel sieht die Lage in der Türkei derzeit kritisch. Erdogan sieht sich vor allem als Präsident der Türken, die ihn gewählt haben und nicht als Präsident aller Türken. Das hat Auswirkungen auf seinen Führungsstil, der sehr autokratisch sei. Aus Sicht Tempels existiert in der Türkei aber immer eine Opposition und verschiedene Eliten, die nicht hinter dem Staatspräsidenten stehen. Auf diese Bevölkerungsteile wird es in Zukunft ankommen.
Die Arbeiterpartei Kurdistans, besser bekannt als PKK, sieht Dr. Tempel eher kritisch. Anders als viele weitere Kurden ist die PKK „der Sache nicht wirklich dienlich“. Sie sieht hier Parallelen zur Hamas in Palästina, die der Lösung der Probleme in Israel auch nicht wirklich dienlich ist.

Nach gut anderthalb Stunden gab es dann für die Referentin aus den Händen von Oberstleutnant Bernhard Wünsche, Inspektionschef der I. Inspektion der Fachschule der Luftwaffe, das obligatorische Glas Heidehonig. Für die Teilnehmer des Nachmittags bleibt die Erkenntnis, dass die Probleme, die in unserer Welt existieren, nicht einfach zu lösen sind und ein Vortrag durchaus auch in freier Rede und ohne Präsentation im Hintergrund gehalten werden kann.

Text: Dieter Hollinde, EAS e.V.
Fotos: Jürgen Wicht, EAS e.V.