Drei Orte, drei Seminargruppen, ein Thema

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Sunderhof, Garlstedt und Bad Bederkesa. Gemeinsam mit drei Evangelischen Militärpfarrämtern im Norden hat die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EAS) in der ersten Aprilwoche 51 Soldatinnen und Soldaten aller Teilstreitkräfte darauf vorbereitet, einen wirklich nicht einfachen Auftrag ausführen zu können: Das Überbringen einer Todesnachricht.

Es ist eine der traurigsten und damit belastendsten Aufgaben, die man sich vorstellen kann. Jeder wünscht sich, es möge ihn nie treffen. Gemeint ist das Überbringen der Nachricht an Angehörige, dass einer der ihren tot ist. Der unerwartete oder plötzliche Tod ist eine schwere Bürde für die Familienangehörigen, Freunde und Bekannte – daran zweifelt niemand. Weitgehend unbekannt, zumindest aber verdrängt, ist die Aufgabe des Überbringers dieser schrecklichen Nachricht. Dies ist belastender als man denkt und wirft vor allem die Frage auf: Wie bekomme ich diese entsetzliche Nachricht so formuliert, dass sich der erste Schock etwas mildern lässt?

In einer ungezwungenen aber dennoch konzentrierten Atmosphäre konnten die Soldatinnen und Soldaten einen ersten Eindruck von dieser sehr fordernden Aufgabe bekommen und so erste Erfahrungen in den Rollenspielen sammeln. Als Referent konnten die Teilnehmer von der Expertise des Opferschutzbeauftragten der Polizei aus dem Landkreis Kleve, Kriminalhauptkommissar a.D. Johannes Meurs, profitieren. Seine mehr als 20-jährige Erfahrung in dem Gebiet war für die Teilnehmer ein Gewinn.

Abgerundet wurden die drei Tage jeweils durch die Darstellung von drei Situationen, in denen die Bundeswehrangehörigen einer fiktiven Familie die Nachricht überbringen sollten, nach der nichts mehr ist, wie es vorher war. Um diese Situationen so realistisch wie möglich zu gestalten, hat die EAS die Schauspieler Harald Kleinecke und Lena Thönnes engagiert. Beide arbeiten in diesem Thema seit Jahren mit der Polizei zusammen und konnten den Soldatinnen und Soldaten auch eine gute Rückmeldung geben. Die jeweiligen Militärseelsorger sorgten durch eigene Ausführungen zum Thema Trauer und Verlust für eine Ergänzung der Tage.

Am ersten der drei Tage unterstützte die EAS das Evangelische Militärpfarramt aus Appen. Der dortige Militärpfarrer Andreas-Christian Tübler hatte an diesem Tag die komplette Führungsetage der Unteroffizierschule aus Appen im Seevetaler Sunderhof versammeln können. Neben Spießen und Inspektionschefs waren auch der Schulkommandeur Oberst Michael Skamel und sein Stellvertreter unter den Teilnehmern. Am Ende des Tages lobte Skamel die Veranstaltung als Ganzes und besonders die Durchführung mit den professionellen Schauspielern, die ihm eine Ausbildung gezeigt habe, die sehr nahe an der Realität gewesen ist. Am darauffolgenden Tag lud Militärpfarrer Jens Pröve aus Osterholz-Scharmbeck in die Logistikschule nach Garlstedt ein. Dort hatten junge Offiziere, die an der Schule auf ihre erste Truppenverwendung vorbereitet werden die Chance, sich am Anfang ihrer Laufbahn mit diesem Thema vertraut zu machen. Auch hier wurde die Realität der Ausbildung durch die Teilnehmer und deren Inspektionschef gelobt und soll in Zukunft einen festen Platz im Lehrgang für junge Offiziere erhalten. Den Abschluss bildete das Evangelische Militärpfarramt aus Bremerhaven. Militärpfarrerin Kerstin Jaensch hatte Offiziere zu einem zweitägigen Lebenskundlichen Seminar in die Evangelische Bildungsstätte in Bad Bederkesa eingeladen. Der Hörsaalleiter der Marineoperationsschule Bremerhaven hatte dieses Thema für „seine“ Offiziere sehr bewusst gewählt, da er hier selbst positive, aber auch negative Erfahrungen gemacht hatte. Am Ende des Tages waren alle Teilnehmer sehr überrascht, wie real die Situationen dargestellt wurden. Wie auch in den beiden Seminaren zuvor, war der Erfahrungsschatz von Kriminalhauptkommissar a.D. Johannes Meurs mit seinen zahlreichen konkreten Beispielen für viele eine Quelle des Wissens, aus der man noch Tage hätte schöpfen können.

Am Ende einer fordernden Woche bleibt das Fazit, dass nichts kommt, wie man es geplant hat, aber man durch situative Anpassungsfähigkeit und vor allem Menschlichkeit auch diesen Auftrag meistern kann.

Auch wenn hoffentlich keiner der Teilnehmer das erworbene Wissen jemals anwenden muss, so war es in erster Linie hilfreich, sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen und sich dafür zu sensibilisieren. Die EAS bedankt sich bei der Polizei im Landkreis Kleve für die Kooperation und die unkomplizierte Unterstützung durch Johannes Meurs und bedankt sich bei den Militärpfarrämtern für Ihr Vertrauen und die gute Kooperation.