Ysselsteyn/Kamminke. In der Woche vom 22. bis 26. Juni organisierte die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EAS) zwei Seminare für die Fachschule der Luftwaffe aus dem niedersächsischen Faßberg. Zwei Hörsäle mit angehenden Fachoffizieren aller Teilstreitkräfte nutzten die Expertise der EAS, um ihre Abschlussfahrt im Rahmen der persönlichen und politischen Bildung durchzuführen.
Während eine Seminargruppe unter der Leitung von Regionalbetreuer Boris Broers die Insel Usedom und den deutsch-polnischen Grenzraum erkundete, führte Regionalreferent West Dieter Hollinde die zweite Gruppe durch die Niederlande und Belgien.
Trotz ihrer unterschiedlichen Reiseziele verfolgten beide Seminare ein gemeinsames Anliegen: die intensive Auseinandersetzung mit der europäischen Geschichte, den Folgen von Krieg und Gewalt sowie der Verantwortung heutiger Soldatinnen und Soldaten.
Geschichte erleben: Niederlande und Belgien
Ausgangspunkt der Reise war die deutsche Kriegsgräberstätte Ysselsteyn in den Niederlanden, die vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. als Bildungsstätte betrieben wird. Bereits am ersten Seminartag setzte der Besuch des größten deutschen Kriegsgräberfriedhofs Europas einen eindrucksvollen Akzent. Anhand zahlreicher Einzelschicksale wurde deutlich, welche menschlichen Tragödien hinter den über 30.000 dort bestatteten deutschen Kriegstoten stehen.
Weitere Stationen führten die Gruppe zur belgischen Festung Eben-Emael, deren überraschende Einnahme durch deutsche Fallschirmjäger im Mai 1940 als Meilenstein der Militärgeschichte gilt. Im ehemaligen SS-Untersuchungsgefängnis Amersfoort setzten sich die Teilnehmenden anschließend mit den Verbrechen der deutschen Besatzung in den Niederlanden auseinander und erhielten einen bewegenden Einblick in das Schicksal der mehr als 40.000 dort inhaftierten Menschen.
Mit dem 2014 eröffneten Niederländischen Militärmuseum wurde der Bogen von der historischen Entwicklung bis hin zu den heutigen Streitkräften gespannt. Besonders eindrucksvoll war die multimediale Darstellung der Auslandseinsätze der niederländischen Streitkräfte und ihrer Auswirkungen auf die Soldatinnen und Soldaten.
Den Abschluss bildeten das Kriegsmuseum Overloon mit seiner immersiven Darstellung der Landung der Alliierten in der Normandie sowie ein Aufenthalt in Amsterdam, bevor die Gruppe mit zahlreichen neuen Eindrücken die Heimreise nach Faßberg antrat.
Erinnern, verstehen und begegnen: Seminar auf Usedom
Die zweite Seminargruppe wurde in der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Golm im Fischerort Kamminke auf der Insel Usedom begrüßt. Die besondere Lage am Stettiner Haff und im deutsch-polnischen Grenzraum bot ideale Voraussetzungen, Geschichte und Gegenwart miteinander zu verbinden.
Nach einer Einführung in die Arbeit der Bildungsstätte stand die Gedenk- und Kriegsgräberstätte Golm im Mittelpunkt. Dort setzten sich die Teilnehmenden mit der Geschichte des größten Soldatenfriedhofs Mecklenburg-Vorpommerns auseinander und beschäftigten sich insbesondere mit der Bombardierung Swinemündes am 12. März 1945, bei der nach heutigem Forschungsstand zwischen 4.000 und 6.000 Menschen, überwiegend Zivilistinnen und Zivilisten, ums Leben kamen.
Ein weiterer Schwerpunkt war der Besuch des Historisch-Technischen Museums Peenemünde. Die ehemaligen Heeresversuchsanstalten Peenemünde bildeten zwischen 1936 und 1945 das größte militärische Forschungszentrum Europas. Die Ausstellung vermittelte anschaulich die Geschichte der Entwicklung neuartiger Waffensysteme, darunter V1- und V2-Waffen. Beide Waffensysteme wurden als Terrorwaffen gegen die Zivilbevölkerung konzipiert und größtenteils unter Einsatz von Zwangsarbeit gefertigt. Ergänzt wurde das Programm durch den Besuch des Museums zur 1. Flottille der Volksmarine, das einen Einblick in die Militärgeschichte der DDR gab. Zahlreiche Exponate, darunter Bilder, Dokumente, Orden, Uniformen und Schiffsmodelle, vermittelten den Teilnehmenden einen anschaulichen Einblick in die maritime Militärgeschichte der Region.
Zum Abschluss führte eine Fahrradexkursion nach Swinemünde. Nach einem kurzen, aber intensiven Polnisch-Sprachkurs erkundeten die Teilnehmenden die Stadt im Rahmen einer Stadtrallye und lernten dabei sowohl ihre bewegte Geschichte als auch die heutige grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen kennen.
Gemeinsames Lernen über Grenzen hinweg
Ob in Belgien, den Niederlanden oder im deutsch-polnischen Grenzraum – beide Seminargruppen erlebten Geschichte an authentischen Orten. Die Begegnungen mit Gedenkstätten, Museen und historischen Schauplätzen ermöglichten eine intensive Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen von Krieg, Diktatur und Gewalt sowie mit den Grundlagen eines friedlichen Europas.
Neben der historischen und politischen Bildung blieb auch Zeit für den gemeinsamen Austausch und die Kameradschaft. Damit leisteten beide Seminare einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der angehenden Fachoffiziere und unterstrichen erneut den Wert außerschulischer Bildungsangebote der EAS.
Die EAS bedankt sich bei allen Teilnehmenden der beiden Seminare sowie bei der Bundeswehr für die gute Zusammenarbeit. Ein besonderer Dank gilt dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. für die engagierte Betreuung und Unterstützung in den Bildungsstätten Ysselsteyn und Golm.
















