Vater und Sohn Törn: Segelfreizeit auf dem IJsselmeer

0
95

IJsellmeer/Holland/In See – „Gemeinsam die Sonne und den Wind auf dem IJsselmeer genießen: gemeinsam Segeln, gemeinsam Zeit verbringen und gemeinsam die Seele baumeln lassen“, so lautete das Motto der von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EAS) angebotenen Vater-Sohn-Segelfreizeit. Begleitet von EAS-Regionalreferent West Dieter Hollinde und EAS-Regionalbetreuer West Boris Broers ging es für 17 Väter und ihre 23 Söhne sowie zwei Köche nach Holland, um vom 2. bis 8. August auf den beiden Zweimastklippern „Eensgezindheid“ und „Waterwolf“ viele tolle Erlebnisse, Eindrücke und Spaß auf dem IJsselmeer zu erleben.

Alle Erlebnisse dieser ereignisreichen Woche haben die Teilnehmenden, die auf der Waterwolf eingeschifft waren in einem Logbuch zusammengefasst:

Segelfreizeit auf dem Ijsselmeer – Logbuch der Waterwolf

Ankunft und Einschiffen:

Hurra, hurra der Tag der Vater-Sohn-Segelfreizeit auf dem schönen Schiff Waterwolf war gekommen und so trafen sich 20 mutige Voll- und Leichtmatrosen, um das Schiff in Enkhuizen zu entern. Einige „Seebären“ kannten sich schon aus zurückliegenden Segelabenteuern und so fiel das Wiedersehen und die Begrüßung der „Neulinge“ sehr herzlich aus. In diesem Jahr durften wir den Luxus genießen, gleich zwei gecharterte Schiffe zu nutzen. Neben der Waterwolf war hier die schöne Eensgezindheit aus den vergangenen Jahren mit dabei, dessen Skipper Peter sich mit Skipper Olaf von der Waterwolf durch unzählige „Schlachten“ im Rahmen von Regatten oftmals Paroli geboten haben und sich daher natürlich kannten, gegenseitig schätzten und mochten.

Für alle Teilnehmenden beider Schiffe natürlich ein sehr angenehmer Umstand und ein echter Gewinn, zumal die Idee natürlich auch die war, gemeinsam zu Segeln und gemeinsam an den Abenden zusammenzuliegen, das ganze „Seemannsgarn“ des Tages auszutauschen und „Weiterzuspinnen“.

Die Kabinen wurden bezogen und die Schiffe mit den notwendigen Dingen proviantiert, die Dieter in alt bewährter, hervorragender Weise mit Unterstützung Einzelner eingekauft und am Pier vor den Schiffen bereitgestellt hatte.

Tag 1 in See:

Die erste Nacht an Bord wurde gut verbracht und das abschließende Bunkern der frischen Lebensmittel die Dieter und Marco, unser Smutje für die nächsten Tage, noch am frühen Morgen eingekauft haben noch rechtzeitig vor dem Auslaufen verstaut. (Gerüchten zur Folge hatte es Dieter wohl im letzten Jahr nicht rechtzeitig zum Auslaufen der Eensgezindheit mit den restlichen Lebensmitteln an Bord geschafft und der Skipper Peter hatte sich dann für ein weiteres „Anlegemanöver“ entschieden um fehlende Vollmatrosen dann noch mitzunehmen, SMILE).

Nachdem Skipper Olaf eine Einweisung in das Schiff, die Segel, die Unfallgefahren, die Rettungsmittel und die allgemeine Seemannschaft gegeben hatte, hieß es dann gegen 10:00 Uhr „Leinen los“ auf große Fahrt, Kurs Nordwest zur Schleusenanlage Den Oever (Koordinaten 52° 56 1´N, 005° 02.5 E) um in das Wattenmeer der Nordsee zu gelangen. Soweit der Plan aber wie es mit Mutter Natur so ist, kam es dann doch wieder anders als gedacht. Wechselnde, instabile Winde ließen die Vollmatrosen unter der Anleitung von Bootsmann Däne ins Schwitzen kommen und der Wettergott sorgte dann auch gleich rechtzeitig dafür, dass die Vollmatrosen hier direkt ihre regenfeste Bekleidung einmal ausprobieren konnten. Bootsmann Däne war hier, allen voran, dann auch nass bis auf die Knochen.

Die Leichtmatrosen hatten sich inzwischen zu lockeren Karten- und Brettspielen unter Deck verkrümelt und als der Regen vorbei war, hatte sich das mit dem Wind auch weitgehend erledigt. Ein Kurswechsel musste her und so wurde entschieden im IJsselmeer zu bleiben, Kurs auf Stavoren (Friesland) zu nehmen, um am Folgetag dann morgens durch die Schleuse Kornwerderzand in die Nordsee zu gelangen, da auch dort die Gezeiten mit Ebbe und Flut eine Rolle spielen. Und ohne Wasser ist das (Hörensagen zur Folge) alles ein wenig schwieriger. Einige Matrosen (bewaffnet mit einem lockeren Kaltgetränk) waren zwar euphorisch es doch zu versuchen, jedoch sprach am Ende der Gezeitenkalender dagegen. Zumal gab Olaf zu bedenken, dass wir nebenbei noch einen Tiefgang von 1,25 Meter hätten.

So wurde dann am Nachmittag, nachdem Marco uns schon vorher einmal mit leckeren Frikadellen versorgt hatte und der Wind inzwischen eingeschlafen war, die Maschine gestartet und wir liefen dann gegen 17:00 Uhr in den schönen Hafen von Makkum ein, um nach einem schnittigen 180 Grad Wendemanöver dann mit der Steuerbordseite festzumachen. Hier gab es nun bis 19:00 Uhr die Möglichkeit des Landgangs, um sich das beschauliche Makkum mit den Schleusen anzuschauen. „Schleusenkino“ war hier durch die direkte Nähe hervorragend und eine gute Wahl. In der Zwischenzeit hatte sich die Ensgesindheit bei uns an die Backbordseite dazugesellt und es begann nach dem Festmachen der unmittelbare Austausch von Kindern, Getränken und Seemannsgarn. Ganz nebenbei wurden die Wasserpistolen etc. hervorgeholt und die Badeleiter ausgebracht, so dass sich nach kurzer Zeit eine lang andauernde „Wasser- und Badeschlacht“ entwickelte, die leider keinen Sieger hervorbrachte. Somit war klar, dass es hier sicher die Tage noch ein weiteres „Gefecht“ geben muss. Der Spaßfaktor war jedenfalls für alle Beteiligten hoch.

Mit dem leckeren Essen (Spagetti Bolognese) vom Smutje Marco und dem „Sundowner“ in Kombination mit erweiterten Ablege/-Wende- und Anlegebieren ging der Tag dann mit einem schönen Sonnenuntergang und netten Gesprächen zu Ende. Das „Kindergetrappel“ der Leichtmatrosen auf den Decks wurde leiser bis es verstummte und irgendwann verkrümelten sich dann auch die letzten Vollmatrosen unter Deck, um am nächsten Tag die Nordsee zu begrüßen zu können.

Tag 2 in See:

Nach einem ausgiebigen Frühstück verlegten wir dann um 09:00 Uhr von Makkum in Richtung wildes Meer. Aufgrund der engen Terminplanung unseres Skippers waren wir leider zunächst auf die Nutzung fossiler Brennstoffe angewiesen. Durch diesen seemännischen Kunstgriff erreichten wir zeitgerecht die Schleusenanlage. Die Zufahrt erfolgte zunächst routinemäßig und ohne besondere Vorkommnisse, jedoch sollte dies nicht so bleiben.

Nachdem die Pegelstände zwischen IJsselmeer und Wattenmeer in Übereinkunft gebracht werden konnten, öffneten sich die Schleusentore zum Naturpark Wattenmeer. In dieser Situation konnten wir die Gesetzmäßigkeit des Rechts des Stärkeren auch auf See belegen. Ein imposantes Motorboot drängte ein kleines Plattbodenschiff so ab, dass die Folge eine Kollision mit einem Poller nicht vermieden werden konnte. Unsere Sanitätsärztlichen Fachkenntnisse personifiziert durch Matrose Daniel, wurden glücklicherweise nicht abgerufen. Dennoch sollten die brenzlichen Situationen nicht abreißen. Lediglich durch das beherzte Nutzen des Signalhornes durch unseren Skipper Kapitän Olaf, konnte eine weitere Kollision mit einem an Selbstüberschätzung leidenden Kleinstsegelboot verhindert werden. Die staunende Besatzung sah das beschriebene Boot bereits durch den Klüver aufgespießt in Richtung Grund sinken.

Nun ging es aber endlich los. Die Segel wurden unter fachmännischer Anleitung von Däne gehisst. Zunächst wurden die Leichtmatrosen mit der Aufgabe der Unterstützung betraut. Erst nach leichten Erschöpfungsanzeichen konnte durch den angewiesenen Crewwechsel das Ziel erreicht werden und der beschwerliche Weg Richtung Vlieland wurde aufgenommen.

Das regattaähnliche Wettkampfsegeln zwischen Kapitän Olaf, Kapitän Peter und einer unbekannten Kraft, ermöglichte uns Neuseemännern diverse Einblicke in maritimes und nautisches Geschick. Das ein oder andere Crewmitglied sah, insbesondere in einer gewissen Situation klares Konflikt- wenn nicht sogar Kollisionspotential.

Der Siegeswille unseres Kapitäns erforderte mannigfaltige Maßnahmen. Zu nennen seien hier unzählige Wenden, lautstarke Motivation der Crew sowie der kurzfristige Einsatz von fragwürdigen Antriebsoptionen, um dann doch noch den zweiten Platz der Regatta zu erreichen.

Letzten Endes wurde die Regatta dann durch einen erforderlichen Stopp zur ordnungsgemäßen Hafeneinfahrt beendet. Hier wurden dann aus erbitterten Gegnern wieder eine Gesamtcrew. Dies zeigte sich vor allem durch den ständigen Wechsel der Crewmitglieder zwischen den Schiffen. Häufig zum Ausgleich der Flüssigkeitsdefizite auf beiden Seiten.

Zu erwähnen sei noch, dass unsere Leichtmatrosen eine deutlich höhere Seefähigkeit bewiesen, als so mancher Großer. Nur die Leichtmatrosen wagten sich am benachbarten Strand in die Fluten des Meeres während sich die dazugehörigen Seebären lediglich der Dokumentation dieses Heldenmutes hingaben.

Dank des Hinweises unseres Kartographen und ortskundigen Crewmitglieds Dieter, konnten die stark dezimierten Vorräte, vor allem flüssiger Natur, im nahegelegenen und malerischen Städtchen aufgefüllt werden.

Am Schluss konnten selbst die sozialen Brennpunkte, welche direkt vor unserem stolzen Schiff ankerten, nicht verhindern, dass in einem feucht fröhlichen Abschluss mit hervorragender Verpflegung in Form von eckigen- sowie plattfrittierten Fischen dank Smutje Marco, der Tag zur Freude aller beendet wurde.

Tag 3 in See:

Der heutige Seetag begann anders als die letzten sehr gelassen, denn Ablegen war erst für 11:00 Uhr geplant. So bot sich für einige „Seegrizzlys“ (Fritz und Daniel) in Begleitung von Glasbläser Norman und Bierverweigerer Volker die Gelegenheit, die am Vorabend arg geschröpften Flüssigkeitsvorräte aufzufüllen. Zusätzlich waren wir in der Pflicht das durch Dieter dem Schwesterschiff gestohlene „weiße Blattgold“ (Klopapier) zu ersetzen.

Schon im seichten Hafenbecken war die raue See spürbar. Aufgrund orkanartiger Windböen ordnete Skipper Olaf schon vor dem Auslaufen größtmögliche Protektion an, also Schwimmweste anlegen, an.

Die Illusion auf das obligatorische Auslaufbier wurde durch den gestandenen Seebären Däne, durch das setzen des Großsegels jäh verwehrt. Dieses bereitete der mittlerweile erfahrenen, aber durstigen Crew, keinerlei Schwierigkeiten. Die Leichtmatrosen mussten bei Windstärke 5 bis 6 auf dem Lidodeck verweilen. Nachdem schließlich auch routiniert das Focksegel gesetzt war und entsprechende Schräglage eingenommen wurde, konnte endlich der Decksälteste seine Füße auf Backbordseite im Meer baumeln lassen. Endlich bot sich auch die Gelegenheit, die ausgetrockneten Kehlen zu benetzen.

Nach etlichen Seemeilen bei 5 Knoten Geschwindigkeit auf stürmischer See aber strahlendem Sonnenschein, kehrte die Trockenheit zurück – diesmal unterhalb des Bootes. Wir ließen uns gemeinsam mit dem Schwesterschiff im Watt Trockenfallen. Die Aussicht auf einen ausgiebigen Wattspaziergang konnte die Leichtmatrosen aus ihrer „Gamer“-Lounge hervorlocken. Die Gourmets unter den Besatzungsmitgliedern machten sich auf eiweißhaltige Nahrungssuche im Watt.

Zu später Stunde und mit ausreichend Wasser unterm Kiel, fuhren wir unter sternenklarem Himmel und strahlendem Mondschein der Hafenstadt Harlingen entgegen.

Tag 4 in See:

Nach einer warmen Nacht in Harlingen begann der Tag wie erwartet mit einem nahrhaften Seemannsfrühstück. Im Anschluss wurde Proviant in flüssiger und fester Form organisiert, dabei wurde der hiesige Einzelhandel unterstützt und an die Leistungsgrenze gebracht. Um 10:00 Uhr liefen wir dann in Richtung Enkhuizen mit den Zwischenzielen Lorentz Sluizen, Stavoren und dem „Ankerplatz Badespaß“ aus. Selbstverständlich wurde auch dieser Auslauf mit dem traditionellen Auslaufbier begossen. Bei gar keinem Wind, blieb uns nichts anderes übrig, als die Dieselreserve der Waterwolf zu strapazieren.

An der Schleuse angekommen mussten wir aufgrund erhöhten Verkehrsaufkommens einen kurzen Zwischenstopp vor der Schleuse einlegen. Dabei nutzten einige Seebären die Zeit, um sich die Reste des Atlantikwalls anzuschauen. Auf dem Rückweg zur Waterwolf musste unwegsames Gelände überwunden werden. Durch das gefährliche Terrain (Metallsteg mit umliegend wuchernden riesigen Schlingpflanzen/Brombeerbüsche) zog sich Tobias eine klaffende Fleischwunde am Knie zu. Unter Schmerzen und fast verblutet erreichte er das rettende Deck der Waterwolf. An Bord leisteten Tobis Papa und Dieter selbstaufopfernd „Selbst- und Kameradenhilfe“ und verhinderten somit die Amputation des linken Beines. Also nochmal Glück gehabt.

Die Wartezeit in der Schleuse wurde wieder einmal durch ein vortreffliches Mittagsmenü, welches natürlich unser Smutje Marko zubereitet hatte überbrückt. Es gab Jägerschnitzel (nach Ossiart) mit Nudeln und Tomatensauce. Während der Ausfahrt aus der Schleuse überraschte Thomas alle mit einem perfekt in Szene gesetzten Schleusenbier. Diese vorbildliche Präsentation blieb auch auf unserem Schwesterschiff nicht unbemerkt.

Jetzt wieder im IJsselmeer, erfasste die Waterwolf ein enormer Wind, welcher unseren Skipper Olaf veranlasste, die Segel setzen zu lassen. Mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit von eineinhalb Knoten verging die Zeit wie im Flug. Durch Olafs List, ein zusätzliches Segel zu setzen, erreichten wir mit 3,1 Knoten fast Lichtgeschwindigkeit. Die Zeit unter Segeln nutzte Thomas, um alle Papas vorbildlich vor der drohenden Dehydration zu schützen.

Das nächste Zwischenziel Stavoren erreichten wir ohne weitere Vorkommnisse. Hier wurden die Tanks mit fossilem Kraftstoff aufgefüllt. Vereinzelt wurde aber auch der Stopp genutzt, um die kleine Ortschaft Stavoren zu erkunden. Direkt nach dem Auslaufen ankerten wir, um den versprochenen Badestopp einzulegen. Das warme Süßwasser und sonnige Wetter machten den Badespaß perfekt, denn es wurden eigene Grenzen und Rekorde gebrochen. Selbst die Kleinsten trauten sich von der Bordwand in das erfrischende IJsselmeer zu springen. Der erfahrene Triathlet Torsten umrundete sogar die Waterwolf in einer neuen Bestzeit.

Im Anschluss ging die Fahrt weiter in Richtung Enkhuizen. Die in den Vortagen gelernten Handgriffe zum Setzen der Segel sind in Fleisch und Blut übergegangen. Unter vollen Segeln ging es jetzt mit selten erreichten 4 Knoten Richtung Heimathafen. Vor jedem Einlaufen steht das Klarschiff machen an, welches unter Anleitung von Däne unter Nutzung aller kleinsten Matrosen passierte. Der Einsatz dieser war in jeder Hinsicht erfolgreich. Die Waterwolf erstrahlte jetzt wieder in vollem Glanze. Toll gemacht!

Die alten Seebären nutzen die Zeit, um die erbeuteten Genusswaren aus fernen Ländern zu verkosten. Marko bereitete in dieser Zeit unser letztes Abendmahl zu. Heute war „Griechischer Abend“. Für seinen unermüdlichen Einsatz, die alten und jungen Seebären auf das Beste zu verköstigen, beschloss die Crew Marko einen Bestpreis in Verbindung mit einer Leistungsprämie zu überreichen.

Geschrieben von den Teilnehmenden der Vater-Sohn-Segelfreizeit 2020, die auf der Waterwolf eingeschifft waren.